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Frühschichten in der Fastenzeit 2021

Eine Zeit für sich - eine Zeit zum Innehalten

30.3.2021

KathedraleIch grüße Euch/Sie recht herzlich und wünsche einen schönen guten Morgen. Dieser Impuls heute vor Ostern lädt ein, im Blick auf Jesus, den von den Toten Auferstandenen, das Leben neu in den Blick zu nehmen, den Blick auf die Wirklichkeit zu weiten, Ausschau zu halten nach Möglichkeiten zur Erneuerung.
Christen feiern am Sonntag Ostern, das Fest des Lebens, in der Auferstehung Jesu den Sieg des Lebens über den Tod. Ist das nicht allzu voreilig gesagt? Wird dieses Bekenntnis angesichts der weltweiten Bedrohungen nicht zu optimistisch geglaubt und gedacht?

Aber genau da hinein will die Osterbotschaft gesprochen und gerufen sein, der Ruf nach Hoffnung auf lebenswertes Leben für alle und für die Generationen nach uns. Ostern ruft den Menschen zum Einsatz für Menschlichkeit, für Gerechtigkeit und für die Ehrfurcht vor dem Leben auf. Der Glaube an das Leben des Auferstandenen gleicht einem Protest gegen Unrecht und Tod in all seinen Formen.

Ostern meint:
Im Hier und Heute, mit hoffnungsvollen Blick, an das Leben glauben, weil Gott es mit uns lebt. Man mag das vielleicht für verrückt halten. Das aber ist genau der Osterglaube: verrückt. Denn wer dem Auferstandenen glaubt, der/dem können Kräfte zuwachsen, um bestehende, das Leben bedrohende Wirklichkeiten zu verrücken, zurecht zu rücken und zu verändern. Ermutigend wäre es allemal, wenn uns an Ostern die Augen aufgehen und sich ein neuer Blick, eine von Hoffnung und Mut geprägte neue Perspektive auf das Leben erschließt. Gut wären dabei „Osteraugen“.

In Piemont,
sagt man, laufen die Menschen beim ersten Osterläuten
zum Brunnen in die Mitte des Dorfes. Dort waschen sie sich die Augen aus. Die Ich-will-dich-haben-Augen, die Geh-mir-aus-den-Augen Augen. Sie wollen Osteraugen bekommen. Darum waschen sie die kalten, die gierigen, die listigen,
die misstrauischen Blicke fort.
Sie spülen die Schleier der Angst weg. Und das kalte Wasser, sagt man, schwemmt heraus den Dreck eines langen Jahres.
Sie heben den Kopf
und schauen sich
mit guten Augen an.

(Bernhard Langenstein)

In diesem Waschen der Augen an Ostern liegt eine tiefe Symbolik. Darin liegt gleichsam die Bitte um eine neue Sichtweise aufs Leben. Menschen, die von Ostern her einen neuen Blick nehmen, wagen den Aufstand des Lebens gegen den Tod. Die Ostergeschichten der Evangelisten sind wahrlich tröstliche Hoffnungsgeschichten , gleichzeitig aber auch „gefährliche Erinnerungen“, die zum Aufstehen für das Leben ermutigen. Denn Ostern bedeutet und erinnert daran: Mitten im Leben darf sich und kann sich im Heute und Jetzt Neues durchsetzen, denn „manchmal feiern wir mitten im Tag, ein Fest der Auferstehung .... .“
KathedraleWer Osteraugen hat, sieht die Welt, wie sie ist, ganz realistisch, mit all dem Schönen und Guten aber auch mit dem Schweren und Bedrohlichen, mit all dem Leid und der Zerstörung. Letzteres aber nicht resignierend und hilflos, denn Osteraugen sehen mehr, sie sehen weiter. Sie sehen tiefer, sie sind auf der Suche nach dem, was trägt und sinnvoll gelebt werden kann, was mit Hoffnung erfüllt.
Ostern will Richtungsänderung hin zu mehr Solidarität und Menschlichkeit sein, hin zu einer tiefen mitgeschöpflichen Verbundenheit. Der erste Schritt auf diesem Weg könnte sein, sich erst einmal die Augen zu reiben, sie auszuwaschen, um zu einer neuen hoffnungsvollen, zukunftsweisenden Sicht auf das Leben zu finden.

Dazu wünsche ich Euch/Ihnen gesegnete und frohe Ostern. Osteraugen, die weiter und tiefer sehen. Segensreiche Ostern euren/ihren Familien. Trostvolle Ostern den Kranken und Einsamen. Gnadenreiche Ostern allen, die treu zur Gottes und Nächstenliebe stehen. Erlebnisreiche Ostern den Kritischen und Suchenden. Und wie immer es euch/ihnen geht, lasst Euch, lassen Sie sich stärken von der Größe dieses Festes.

Frohe Ostern. Halleluja!

 
 

24.03.2021

MIch wünsche Euch/Ihnen einen schönen guten Morgen, ein von guten und schönen Erfahrungen bereichernden Tag.

Luise Rinser erzählt in ihrem Roman „Die vollkommene Freude“ von einer jungen Frau Marie–Catherine, die nach einer enttäuschenden Beziehung nun am Rande einer Arbeitersiedlung eine kleine Wohnung bezieht. Ab diesem Moment wird ihr Leben ein ganz anderes. Sie sucht die unmittelbare Nähe der Menschen in der Siedlung.

Und mit der Zeit stellte sich heraus, dass alle, die mit ihr zu tun hatten, irgendwie gewandelt wurden. Sie putzt, wäscht und kocht in der Siedlung für andere. Die Leute kommen einfach und bitten, und sie bitten nie vergebens. Sie tat dies ohne ihr Tun an die große Glocke zu hängen, ohne sich in die Öffentlichkeit zu drängen, sie war einfach da.

Und es zeigte sich, Marie – Catherine war eine tröstliche Zuflucht für jede und jeden, die/der sie brauchte. Sie liebte vorbehaltlos, ohne Berechnung, ohne Erwartung. Ihr Leben wurde so zu einem Gleichnis für die Nähe und Liebe Jesu zu den Menschen. Sie lebte das Gebot Jesu: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ (Joh 13,14)
Fr4Ich vermute, dass gerade in den vergangenen 12 Monaten der Pandemie die Zahl derer, die wie Marie – Catherine dieses Gebot Jesu gelebt haben, viel größer ist, als wir es uns ausmalen können. Und vielleicht hattet Ihr, hatten Sie das Glück, solch einem Menschen in eurer/ihrer Umgebung zu begegnen.

Im Hohelied der Liebe 1 Kor 13 beschreibt Paulus in überwältigender Weise das Wesen der Liebe. Diese Worte haben Menschen immer bis auf den heutigen Tag inspiriert und begeistert, vielleicht gerade deshalb, weil sie spüren, schön wäre es, wenn es so wäre.

So wurde auch der Heiligen Augustinus angeregt, sich über die Liebe Gedanken zumachen, in dem er kurz und prägnant formuliert: „Liebe und tue was du willst.“ Anders formuliert: „Hab Hochachtung vor deinen Mitmenschen und tue, was du willst.“ Ersetzen wir einmal das Wort Liebe durch dieses Wort Hochachtung, dann heißt es in Verbindung mit den Worten des Paulus:

Fr1*****************************
„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete“,
hätte aber keine Hochachtung vor denen, zu denen ich spreche,
„wenn ich prophetisch reden könnte“
würde aber anderen ohne Respekt (Hochachtung) begegnen,
„wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte“,
aber mein Glaube an Gott ginge einher mit Gleichgültigkeit, gar Verachtung der Menschen, dann wäre alles nichts wert.
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Ich bin davon überzeugt: Wenn ich in meinem Reden, Tun und Glauben mit Respekt und Hochachtung, mit Liebe anderen begegne, dann ist dies die größte Sache der Welt. Respekt, Hochachtung, Liebe, diese Drei, sie geben allem, was ich tue, seine Würde.
Als gläubige Frau Marie - Catherine liebte sie im Nächsten den scheinbar fernen Gott.

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„Der Mensch, der dir gerade begegnet,
das nämlich, hör gut zu,
das ist Gott.
Gott selbst nehme das Antlitz dieser Menschen an, um uns die Gelegenheit zu geben,
mit der Nächstenliebe ernst zu machen. Seht, das ist Nächstenliebe, das allein:
die andere/den anderen lieben,
weil sie/er Gottes ist,
weil Gott in ihr/ihm ist,
weil sie/er Mensch ist wie du und ich.“
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Gott begleitet und segnet uns. Möge viel Hochachtung und Liebe der Menschen ganz unspektakulär unter uns sein. Und vielleicht haben wir das Glück, die eine oder den anderen um sich und nahe bei sich zu wissen
.
 

17.03.2021

4. Frühschicht in der Fastenzeit:

ChartresIch wünsche Euch/Ihnen einen schönen guten Morgen. Herzlich willkommen zur Frühschicht.

Versöhnung und Vergebung leben:
Geschichte vom weißen Band am Apfelbaum


Einmal saß ich bei einer Bahnfahrt neben einem jungen Mann, dem sichtlich etwas Schweres auf dem Herzen lastete. Schließlich rückte er dann auch damit heraus, dass er jetzt nach einer Haftstrafe auf der Fahrt nach Hause sei. Seine Verurteilung, so sagte er, habe Schande über seine Angehörigen gebracht, sie hatten ihn nie in der Vollzugsanstalt besucht und auch nur ganz selten geschrieben. Er hoffte aber trotzdem, dass sie ihm verzeihen können.

Um es seiner Familie aber leichter zu machen, hatte er ihr in einem Brief vorgeschlagen, sie sollten ihm ein Zeichen geben. Wenn der Zug an der kleinen Farm vor der Stadt vorüberfuhr, soll er sofort an dem Zeichen erkennen können, ob er willkommen sei.Hatten die Seinen ihm verziehen, so sollten sie in dem Apfelbaum an der Strecke ein weißes Band anbringen. Wenn sie ihn aber nicht wieder daheim haben wollten, sollten sie gar nichts tun. Dann werde er im Zug bleiben und weiterfahren, weit weg. Gott weiß, wohin.

Als der Zug sich der Stadt näherte, wurde seine Anspannung so groß, dass er es nicht über sich brachte, aus dem Fenster zu schauen. Ein anderer Fahrgast tauschte den Platz mit ihm und versprach, auf den Apfelbaum zu achten. Gleich darauf legte er dem jungen Mann die Hand auf den Arm. „Da ist er“, flüsterte er, und Tränen standen ihm plötzlich in den Augen, „alles ist in Ordnung. Der ganze Baum ist voller weißer Bänder.“
In diesem Augenblick schwand alle Bitternis, die ein Leben vergiftet hatte ... .

(nach John Kord Lagemann
)
ÄpfelVergebung – kein unscheinbares weißes Bändchen an einem Baum, sondern Überfülle : das Bedürfnis all das zu überwinden, was Menschen voneinander trennt, das Bedürfnis Mauern der Schuld und der Entzweiung einreißen. Vergebung, weil sie uns neue Wege öffnet, uns wieder mit den Menschen zusammenführt. Vergebung, Versöhnung ist Annahme der Anderen, auch mit ihrer Schuld.

Indem ich vergebe, richte ich andere auf, nehme ihnen die Last ihrer Schuld, ermögliche einen Neuanfang.
In einer Welt, in der nur noch abgerechnet und aufgerechnet wird, ist es kalt, herzlos und unmenschlich.

Das wusste auch Jesus. In seinen Begegnungen mit Menschen lässt er aufscheinen, was es heißt, Vergebung und Versöhnung zu leben. Realistisch nimmt er Schuld wahr, sieht die Menschen in ihrer Not. Befreiend und versöhnend geht er auf Menschen zu, nimmt sie wahr, was sie sind, lässt sie nicht allein, nimmt sie bedingungslos an und richtet sie wieder auf. Er macht es möglich, dass Menschen sich wieder dem Leben anvertrauen können. Menschenfreundlich schenkt er neues Ansehen.
ÄpfelDie Geschichte von den weißen Bändchen im Apfelbaum macht deutlich: Es braucht nicht viele Worte, um Menschen zu zeigen, dass sie willkommen sind. Kleine Gesten und Zeichen des Vertrauens, der Verbundenheit und des Friedens lassen aufatmen: Der junge Mann hat ein Zuhause und braucht nicht weiter heimatlos und einsam herumirren. Er sieht eine Zukunft für sich selbst und lebt auf.

Menschen, die vergeben können, ver-geben sich nichts. Im Gegenteil. Wer die Hand zur Versöhnung reicht, wer gleichsam viele „weiße Bänder“, Zeichen der Vergebung, an den Baum des Lebens gebunden hat, bewirkt eine neue Menschlichkeit im Geiste Jesu. Mögen wir in diesem Geist einander begegnen, das Leben teilen und uns menschenfreundlich und versöhnend auf den Weg machen. Gesegnet und begleitet von Gott: Mögen wir viele dieser weißen Bänder wehen lassen. Weiße Bänder - ein gutes Zeichen.
 

Mittwoch 10.3.2021

Im Heute leben

Ich wünsche Euch und Ihnen einen schönen guten Morgen.

Es ist in diesen Tagen und Zeiten gar nicht so leicht, achtsam und bewusst innezuhalten und sich trotz allem seiner Freude und seiner Verantwortung für das Gute zu vergewissern. Auf seine Weise lädt das Buch Kohelet aus dem Alten Testament ein, dem Leben mit Hoffnung und Mut zu begegnen. Dort heißt es:

„Ich erkannte, dass nichts Besseres in ihnen (im Menschen) ist, als sich zu freuen und Gutes zu tun in seinem Leben. Aber auch jeder Mensch, dass er isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, eine Gabe Gottes ist das. Ich erkannte, dass alles, was Gott macht, für die längere Dauer ist. Dazu ist nichts hinzuzufügen und davon ist nichts wegzunehmen, aber Gott hat gemacht, dass man vor ihm Ehrfurcht haben kann.“ (nach Kohelet 3,12-14).
Hausimpressionen (39)
Kohelet macht sich Gedanken über die Fragen der Menschen, über ihr Erleben der Zeit. Und er hat seine Antwort gefunden: Der Mensch kann trotz allem Freude gewinnen, wenn er die Chance des Augenblicks ergreift. Er will sagen: Ziel jedes Menschen muss es sein, das Beste aus seinem Leben zu machen (sich freuen, essen und trinken), dabei aber stets die Solidarität und die Verantwortung für andere Menschen und die Welt Gottes (Gutes tun im Leben) im Blick zu behalten.“
(Andreas Vonach).

Kohelet will uns auf einen Weg zu erfülltem und gutem Leben mitnehmen. Was das sein kann, muss jede, jeder immer wieder aufs Neue entscheiden. Deshalb ist es gut, wachsam und aufgeschlossen im Jetzt und Heute zu leben und jeweils das Beste aus dem gegebenen Augenblick machen. Kohelet ermutigt:
FS 3

Euch/Ihnen einen gesegneten Tag und eine gute Zeit, Konrad Henrich.

 

Mittwoch 3.3.2021

Hoffnung

Ich begrüße Euch/Sie alle zur 2. Frühschicht und wünsche einen schönen guten Morgen. Ich lade ein, einige Zeit sich selbst zu gönnen. Gedanken zur Hoffnung wollen ermutigen und anregen, weiter zu denken.
„Hoffnung ist nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit,
dass etwas Sinn hat,
egal wie es ausgeht.“
In den letzten Tagen habe ich dieses Wort von Vaclav Havel wieder mal gelesen. Es hat mich inspiriert, mir über die Hoffnung in diesen Zeiten Gedanken zu machen. Ich spüre, wie sehr ich angesichts der Pandemie Hoffnung brauche, eine Hoffnung, die ermutigt und realistisch nach vorne schauen lässt, eine sinnstiftende Hoffnung, eine Hoffnung nicht nur für mich, sondern für alle.

Und ich habe gemerkt, Hoffnungsmomente brauche ich gar nicht lange suchen, denn Spuren der Hoffnung begegnen uns im Alltag und lassen aufleben. Ich habe von Jugendlichen gelesen, die im Rahmen der Vorbereitung auf die Konfirmation sich auf eine Aktion eingelassen haben unter dem Leitwort „Hoffnungshamstern“. Sie spürten ihrem Leben nach und sich gefragt, was für sie solche Hoffnungsmomente sind. So entstanden zunächst Hoffnungsbilder, die sie sich einander schickten. Es sind Bilder, die zeigen, das Leben ist doch schön, trotz Pandemie und Kontaktbeschränkungen.
hope

Vor Jahren haben sich auch Jugendliche gefragt, was ist für mich Hoffnung. Hier eine kleine anregende, Mut machende Auswahl ihrer Antworten.

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Gute Momente im Herzen sammeln können, das wünsche ich uns allen. Und immer, wenn ein solcher Moment auf mich zukommt, will ich ihn ergreifen, um das Leben reicher zu machen. Schülerinnen und Schüler vom Paulusheim haben dem nachgespürt, was ihr Leben reicher macht und mit guter Hoffnung erfüllt:
  • selbstständig und selbstbestimmt sein können und dürfen,
  • ein gutes Essen, wenn ich nach Hause komme
  • Freundinnen, Freunde und eine Familie haben, die zur Seite stehen und einfach da sind,
  • anderen Menschen die Uhrzeit sagen und dafür ein Lächeln geschenkt bekommen,
  • Schokolade essen,
  • eine uneigennützige Geste,
  • das Lächeln eines mir fremden Menschen,
  • im Frühling zu sehen, wie alles beginnt zu sprießen und bunt wird,
  • ein Avocado -Toast oder eine gute Tasse Kaffee,
  • ein „Schön, dass du da bist.“

Ein Gebet nach Psalm 11 für diese Woche:

Gott, du bist der Gedanke, der mir neue Hoffnung gibt. Du bist der Ort, an dem ich sein darf. Gott, du bist die Kraft, die mich nicht fallen lässt.

Du bist der gute Geist, wohlwollend bist du mit mir.

Gott, du bist der Herr, deine Gerechtigkeit breitet sich aus über die ganze Welt, gutes Leben für alle.

Seid/Seien Sie gesegnet von Gott, damit Hoffnung blüht und trägt. Amen.

Alles Gute und beste Wünsche, P. Henrich.
 

Mittwoch 24.2.2021

Eine afrikanische Erzählung über Freundschaft: ,,Zeichen auf dem Weg"

Ein Mann schickte seine beiden Söhne Tambu und Rafiki hinaus, um sich in den Dörfern umzusehen. Die beiden Söhne machten sich auf den Weg.

Nach wenigen Schritten schon begann Tambu Zeichen zu machen. Er knüpfte einen Knoten in ein hohes Grasbüschel. Dann ging er ein Stück weiter und knickte einen Zweig an einem Busch. Dann knüpfte er wieder einen Knoten in ein Grasbüschel. So war der ganze Weg, den er ging voll Zeichen. Aber er zog sich von allen Menschen zurück und sprach mit niemanden.

Ganz anders verhielt sich sein Bruder Rafiki. Er machte keine Zeichen auf dem Weg. Aber im ersten Dorf setzte er sich zu den Bewohnern, hörte zu, aß und trank mit ihnen und erzählte aus seinem Leben.
Im nächsten Dorf schloss er Kontakt mit einem Jungen, der ihn in seine Familie mitnahm und in die Dorfgemeinschaft einführte.

Im dritten Dorf bekam Rafiki von einem Mädchen bei sengender Hitze ein kühles Glas Wasser angeboten und durfte das Dorffest mitfeiern.
Tambu bekam von alledem nichts mit; er hatte Arbeit mit seinen Grasbüscheln und geknickten Zweigen.

Als die beiden Brüder nach ihrer Heimkehr dem Vater von ihren Erlebnissen erzählten, machte er sich mit ihnen auf den Weg. Überall wurde Rafiki mit seinem Vater herzlich aufgenommen, Tambu aber kannte kein Mensch.

„Ich verstehe nicht, warum mich keiner kennt", sagte Tambu, ,,alle sind zu Rafiki freundlich, der nichts anderes als geschaut und unnützes Zeug gesprochen und so die Zeit vertan hat. Kein einziges Grasbüsches hat er geknüpft und wird von allen gekannt und geehrt."

Da sagte sein Vater: Es gibt noch andere Zeichen als Grasbüschel, mein Kind. Das sind Zeichen, die ein Mensch in den Herzen anderer Menschen hinterlässt, wenn er zu ihnen geht, mit ihnen spricht und ihnen seine Freundschaft zeigt. Solche Zeichen in den Herzen der Menschen bleiben, wenn die Grasbüschel längst von den Tieren gefressen oder vom Wind weggetragen sind."

Da sagte Tambu: "Ich will auch lernen, solche Zeichen auf meinem Weg zu hinterlassen, wie Rafiki."
 
Schüler*innen haben in kurzen meditativen Impulsen festgehalten, was sie mit Freundschaft verbinden:

  • mit Freund*innen kann man über alles reden
  • einer Freundin, einem Freund kann man alles anvertrauen
  • Freund*innen hören mir aufmerksam zu und nehmen sich Zeit für mich
  • sie können ein Geheimnis für sich behalten
  • dass man mich mag, damit fängt Freundschaft an und davon lebt sie auch
  • Freund*innen halten zusammen
  • in einer Freundschaft man hat immer etwas zu lachen und es macht Spaß miteinander
  • echte Freundschaft hält aber auch aus, wenn man anderer Meinung ist
  • sie hält auch Streit aus und sie besitzt die Kraft und die Größe sich zu versöhnen, wieder aufeinander zuzugehen und neu miteinander auf dem Weg zu sein
  • Eine Freundin, einen Freund zu haben ist einfach toll und macht glücklich.

Gebet:

Gott, es tut gut, mit einer Freundin, einem Freund zusammen unterwegs zu sein. Einfach einen Menschen an der Seite, der mich versteht, bei dem ich sein kann, wie ich bin.

Segne uns mit Liebe zum Leben. Freundlich schaust du uns an und bist uns nahe.
Lass das Feuer deines Geistes unsere Herzen erwärmen, unsere Gedanken beflügeln,
unsere Kräfte in Bewegung setzen.
Möge so Freundschaft wachsen und deine Freundlichkeit alles erfüllen.

Segne unsere Wege, die wir miteinander gehen.
Segne uns auch, wenn wir zusammen rasten und wie selbstverständlich einfach da sind.
Segne uns das, was uns gut tut und worauf unsere Hoffnung ruht.
Gott, segne unseren freundschaftlichen Blick, auf dass wir, von dir gesegnet, als Freundinnen und Freunde füreinander ein Segen sein können.
Mögen wir so gut und mitfühlend voneinander denken, gut und freundschaftlich füreinander da sein.

Euch und Ihnen allen gute Tage, Kraft, Phantasie und Geduld und hin und wieder ein befreiendes Lachen.


Das wünscht, P. Henrich.

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