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Besuch des Mercedes-Benz-Werks in Rastatt - Januar 2004
Produktion entlang der Perlenkette
von Dr. Sibylle Orgeldinger
Eine Fahrt nach Rastatt vermittelte Einblicke in die Fertigung der Mercedes-Benz A-Klasse
Was hat eine Balletttruppe in einer Automobilfabrik zu suchen? Wie kommt eine Perlenkette in die Fahrzeugproduktion? Warum lieben die Japaner Autos in Weiß? – Dies und manches mehr war vor kurzem bei einer vom Freundeskreis St. Paulusheim Bruchsal organisierten Besichtigung des DaimlerChrysler-Werks in Rastatt zu erfahren.
Der Bus, der beim Paulusheim abfuhr, war bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Schüler kamen unmittelbar von Unterricht. Im Mercedes-Benz Kundencenter Rastatt begrüßte Sibylle Abbou die Gruppe und führte zunächst im Kinosaal einen Film zur Fahrzeugentwicklung vor. Danach ging es auf Entdeckungsreise. Das Werk mit seinen rund 5 000 Mitarbeitern ist am westlichen Rand der Stadt Rastatt auf 147 Hektar angesiedelt. Seit Mitte 1997 rollt dort die A-Klasse vom Band. Zehn der wichtigsten Systemlieferanten mit rund 600 Mitarbeitern produzieren Teile im Industriepark direkt auf dem Werksgelände.
Zuerst durfte die Gruppe, geführt von Sibylle Abbou, den Karosseriebau verfolgen: Aus Blechteilen – die meisten werden in den Schwesterwerken Bremen und Sindelfingengefertigt – schweißen rund 300 Roboter die Rohkarosserie der A-Klasse.Um ihre Augen vor umherfliegenden Funken zu schützen, mussten die Besucher spezielle Schutzbrillen tragen. Ausgestattet mit tragbaren Empfangsgeräten, verfolgten sie die Ausführungen der Werksführerin über Ohrhörer – in der Halle ging es nämlich ziemlich laut zu. Abbou erklärte den Gästen die Funktion der Lasermessstationen, welche die Tätigkeit der Roboter überwachen, und machte sie auf kleine Kuriosa aufmerksam – etwa Roboterteile, die fast wie Menschenhände aussehen, oder eine Gruppe von Robotern, die wegen ihrer synchronen Bewegungen bei den Werksangehörigen „unsere Balletttruppe“ heißen.
Einblick erhielten die Besucher auch in die Montage. Dort wie in anderen Produktionsbereichen sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gruppen tätig. Wie Sibylle Abbou erklärte, wechseln sie sich bei ihren Aufgaben ab, so dass die Arbeit nie eintönig wird und die Aufmerksamkeit nicht nachlässt. – Welcher Motor? Mechanisches oder automatisches Getriebe? Welche Variante – Classic, Elegance oder Avantgarde? In der Montage werden die Karosserien individuell nach den Wünschen künftiger A-Klassen-Besitzer ausgestattet.
Das Rastatter Werk zeichnet sich durch ein besonderes Logistikkonzept aus: Die Fahrzeugbestellungen werden in eine Produktionsreihenfolge aufgefädelt wie Perlenan einer Kette – daher heißt das Konzept auch Perlenkette. Die Zulieferer bekommen die Reihenfolge bereits zwei Wochen vor der Produktion mitgeteilt, so dass sie die Teile in genau der richtigen Abfolge – „Just in Sequence“ anliefern können.
An der Perlenkette lassen sich die Präferenzen künftiger Autobesitzer erkennen – und die sind von Land zu Land verschieden. Bei der Lackierung ist in Deutschland die Metallicfarbe Polarsilber der unbestrittene Favorit. Die Australier hingegen lieben Jupiterrot, und die Japaner bevorzugen Schneeweiß, denn Weiß gilt in Japan als die Farbe der Eleganz. Wie Sibylle Abbou weiter erläuterte, ist die Langversion der A-Klasse in Japan nicht sehr gefragt – dort nämlich werden die Parkgebühren nach Autolänge berechnet.
Zurück im Kundencenter, tauschten die Teilnehmer der Besichtigung bei einer Tasse Kaffee erste Eindrücke aus. Danach ging es mit dem Bus weiter ins elsässische Roppenheim. Im Restaurant La Couronne waren mehrere große Tische reserviert. Ob Flammkuchen oder etwas ganz anderes – jeder konnte sich nach seinem Geschmack stärken, und vor der Rückfahrt nach Bruchsal blieb genug Zeit, sich im Gespräch näher kennen zu lernen.

